Genuss der Heimat

Restaurant - Bierstube - Biergarten - Kegelbahn - Gästezimmer

Wenn diese Mauern erzählen könnten

... sie würden mit unendlichen Geschichten für eine abendfüllende Unterhaltung sorgen. Denn im Laufe der 100 Jahre Geichlinger Wirtshaus-Geschichte (früher hieß es übrigens "Gasthaus zur Schmiede"), gingen viele Menschen aus Nah und Fern ein und aus. Lesen Sie hier selbst einige schöne Anekdoten.

Zum Beispiel von dem Amerikaner, der seine Suppe nicht essen wollte, weil sein Tischnachbar ihm erzählt hatte, es seien Froschaugen (Sago) darin. 


Von Curt Jürgens, der während eines Drehs in Luxemburg hier zum Schnitzelessen einkehrte. Die Fritten zum Schnitzel hat er verschmäht, sich aber Butter zum Brot gewünscht, auf dem sein Schnitzel serviert wurde.

Oder von dem Kölner Hotelier, der immer noch mit dem Jaguar anreiste und 3 Zimmer gleichzeitig buchte, als lange schon jeder wusste, dass er längst pleite war.

Dieser Dorfsaal hat Betriebsweihnachtsfeiern erlebt, die sich gleich über 2 Tage erstreckten, weil niemand nach Hause gehen wollte.

Von ganz schlauen Mitarbeitern, die zur Betriebsfeier eigentlich nur bis 23.00 Uhr frei trinken durften. Und so bunkerten sie Bier und Schnaps unter Tischen und Bänken, und konnten so bis zum Morgen auf Kosten des Chefs weiter trinken.

Vom alten Fichtenholzfußboden, der liebevoll mit Altöl gepflegt wurde, damit er dunkler und damit edler aussehen sollte.

Es gab den Möhnenball mit Live-Musik, zu dem am fetten Donnerstag Land und Leute aus den Nachbardörfern einkehrten. Es wurde Theater gespielt und Chorfeste gefeiert. Weihnachtsfeiern, Betriebsfeiern mit Zöllnern gefeiert. An der Kirmes ging es 2 Tage hoch her, denn bis in die 90er Jahre war der große Saal der einzige Dorfsaal in Geichlingen.

Samstags um 18 Uhr war die Kneipe voll. Denn die Sportschau hat niemand alleine zu Hause geguckt. Später dann trafen sich die Jugendlichen, um zusammen am Abend auf die Feste der Nachbardörfer zu fahren. 

Noaba Stupp: Hochzeiten wurden früher groß gefeiert und auch die Junggesellen des Dorfes wollten mit dabei sein. Und so wurde auf dem Friedhof oder in Nachbars Garten ein Blumenstrauß geklaut und man machte sich auf in den großen Saal. Hier wurde dann, mehr oder weniger schön, altes deutsches Liedgut ausgepackt und dem Brautpaar ein Ständchen in Gestalt des Liedes: „Sah ein Knab ein Röslein stehen“ gesungen. Für diese kulturellen Hochgenüsse wurden die Jungs dann mit Schinkenschnittchen und Bier belohnt und, wie man so munkelt blieb manch einer nach so einer Dorfhochzeit nicht mehr lange Junggeselle.

Auch ein wenig sportlich ging’s zu im alten Saal des Wirtshauses. Bis 1966 das Sporthäuschen gebaut wurde kamen die Fußballer nach dem Spiel hierher zum Duschen und Umziehen. Und mancher blieb gar über Nacht, dann nämlich, wenn die dritte Halbzeit gar zu anstrengend gewesen war. „ Die waren hier wie zu Hause“ erinnert sich die damalige Wirtin.

Sicherlich hat die Theke in den über 100 Jahren Wirtshausgeschichte so machen Schluckspecht erlebt.  Das aber auch die ganz jungen Geichlinger zum Schlucken ins Haus gebracht wurden ist doch etwas Besonders. Denn bis in die 60 er Jahre wurde hier die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung an die kleinsten des Dorfes verteilt. Und so konnten auch diese sich gleich mit den Räumlichkeiten vertraut machen, in denen sie später Kommunion, Hochzeit und auch Beerdigungen erleben würden.

Fremdenzimmer wurden nachgefragt, als viele Arbeiter beim Bau des Viandener Stausee beschäftigt wurden. Die Zimmer waren früher ungeheizt, denn Zentralheizung gab es noch nicht. Und so musste die Wirtin morgens erst mal  im Frühstücksraum anheizen, dann viele weitere Öfen im Haus. Und so war der erste meist schon wieder aus, bis sie zurück kehrte. Übrigens: Ein Korb mit Äpfeln und Nüssen von den eigenen Bäumen stand schon damals immer bereit.

Kegeln war früher ein Volkssport. Jeden Tag waren auf der Bahn Vereine und Kegelclubs. Auch die Hausgäste erfreuten sich daran, bis spät in die Nacht eine Runde Kegel zuschieben. Man blieb in Bewegung, denn die Kegel mussten von Hand aufgestellt werden. Klar, danach war man hungrig und so musste die Wirtin noch einmal in der Küche und Schnitzel und Brote machen für die Kegler. Seit 1972 war die Bahn dann automatisch und man brauchte wenigstens die Kegel nicht mehr von Hand aufzustellen.

In der Küche wurde frisches aus dem Dorf verarbeitet. Gemüse und Salat aus dem Garten, selbstgekochte Marmelade, Eier, Wurst und Schinken von Nachbarn. Manchmal wurde auch geschlachtet. Hin und wieder landete auch das für die Familie bestimmte Kotelett auf dem Teller eines Gastes. Schließlich war hier der Gast schon damals König. Und immer – wirklich immer – gab es selbstgemachte Fritten und Kroketten. Jedenfalls so lange, bis bei einer Hochzeit die Kroketten irgendwie zu Kartoffelbrei wurden. Danach gab’s nur noch Fritten.

Gäste aus der ganzen Welt wurden im Haus bewirtet. Es kamen viele Luxemburger, Belgier und Holländer. Aber auch Amerikaner, Schweden, Australier und die am weitesten gereisten aus Neuseeland. Viele Gäste waren auf Europatour unterwegs und kamen aus dem benachbarten Luxemburg, ehe sie weiter reisten.

Und ein Gästepaar hat sich scheinbar derartig zu Hause im Geichlinger Wirtshaus gefühlt, dass es gleich im Schlafanzug zum Essen in der Kneipe auftauchte.

Ein Motorradclub geriet in einen üblen Platzregen und schwor sich, ins nächst gelegene Gasthaus einzukehren und zu bleiben. Und so fuhr ein Tross mit 6 Motorrädern und 11 Personen vor und bat um Obdach. Doch leider gab es nur noch 2 freie Einzelzimmer. Die Jungs waren bescheiden, erfüllten ihren sich selbst gegebenen Schwur und zogen mit 11 Personen in die beiden Einzelzimmer. Scheinbar hat‘s ihnen gefallen, denn noch viele Jahre danach kamen einmal im Jahr die „Kasseler“ für ein Motorradwochenende in die Eifel.

Die große Hochzeitstorte ist auch für Brautpaare in Geichlingen ein Muss. Und jeder Gast sollte ja ein Stück bekommen. Und so zogen Braut und Bräutigam von Tisch zu Tisch und verteilten die Torte, die zu diesem Zweck auf einem Servierwagen thronte. Man sagt, sie seien eben bei der Schwiegermutter angekommen gewesen, als sich vom Wagen ein Rad löste, der Wagen zusammenstürzte und die Torte wie in einem Slapstick auf dem Tanzparkett landete. Die Wirtin war wohl nahe am Herzinfarkt. Doch als der erste anfing zu lachen, grölte schließlich der ganze Saal. Nicht überliefert ist, wie die Ehe dieses Paares wohl weiter ging, die gleich am ersten Tag eine solche Bruchlandung zu verkraften hatte.